An die Mart Stam Gesellschaft… (Juli, 2016 )

An den Vorstand der Mart Stam Gesellschaft… (Freundeskreis der Hochschule)
In den Gremien der weißensee kunsthochschule berlin wurde im Mai 2016 entschieden:
Die Erfinder, Gründer und Betreiber der KUNSTHALLE am Hamburger Platz müssen gehen!
Die Ende 2015 neuerlich bewilligten 1.2 Millionen FörderEuro basieren auf dem von den Gründern erarbeiteten Konzept, dessen Umsetzung und den bereits sehr konkreten Planungen für die nächsten Jahre. Die innovative Idee wird nun samt Finanzierung vereinnahmt von Professoren, die entweder schon die Gründungsidee versuchten zu verhindern, oder nie verstanden haben, daß das Angebot der Selbstorganisation die Professoren einschließt. Als neue Leiter wurden Künstler gewählt, die die KUNSTHALLE nie zuvor betreten haben, aber besser zur ProgrammLINIE der Hochschule passen.
Diese Vorgänge haben nichts zutun mit dem Freiheitsgedanken und kreativen Gründergeist eines Mart Stam (1).
Hier wird eine restaurative Rückkehr zur alten Kaderschmiede mit postsozialistischen Mitteln betrieben, die
Rückkehr zu einem weltanschaulich wertenden „Primat der Politik über Kunst und Kultur“, wie es in den
bleiernen Jahren/Jahrzehnten unter Walter Womacka (2) herrschte, dem LINIEntreuesten aller DDR-
Staatskünstler.
Ob ich stakkatoartig „Hoch – die – internationale – Solidarität“, „Arbeite mit, plane mit, regiere mit!“ oder
„Grün/Frau/Gender/Flüchtling * _ x “ skandieren soll…
Das eine war so fern von gelebter Praxis und künstlerischen Kriterien, wie es das andere heute ist.

Das Grundthema meiner Kunst ist das Porträt als Spiegel der Persönlichkeit.
Das Grundthema meiner Kunst ist ideologische Biegsamkeit versus unbestechliche Beobachtung.
Auf dieser Basis möchte ich Künstler ausbilden mit Charakter und Eigensinn.
Dies sehe ich gefährdet und ins Gegenteil verkehrt durch massiven Anpassungsdruck, Einebnung und
Vereinheitlichung des künstlerischen Profils der Schule.

Von der Führung autorisierte Abwertung und Verdrängung einer auf Vielseitigkeit, Lebendigkeit und unakademischem Einfallsreichtum basierenden Kunst- und Lehrauffassung kenne ich aus der DDR.
Für den Typus berufsjugendlicher Funktionäre und Pionierleiterinnen und deren lähmende Machtstarre brauche ich das Staatssystem der DDR nicht. Diese Persönlichkeitsstruktur gab und gibt es zu allen Zeiten.
In Weißensee gewinnt sie (wieder) überhand.

Die Rückentwicklung in Weißensee pervertiert die Freiheit von Kunst, Lehre, Forschung. Die Rückentwicklung in Weißensee pervertiert Leben und Schaffen von Mart Stam.

Zu Ehren Mart Stams trete ich aus der Mart Stam Gesellschaft aus.
Prof. else (Twin) Gabriel, Berlin, 15.07.2016
(1)
Mart Stam, Designer und Architekt, entwarf den ersten Freischwingerstuhl und war ab 1950 Rektor in Weissensee, musste im Zuge
der stalinistischen „Formalismusdebatte“ die Hochschule 1952 verlassen.

(2)
Walter Womacka war von 1959 – 1988 Vizepräsident des Verbandes bildender Künstler der DDR. Er war von 1953 bis 1988 als
Hochschulllehrer in Weißensee, von 1968 – 88 als Rektor.
Er exmatrikulierte gern und gründlich. Das prominenteste Beispiel ist Georg Baselitz (damals war Womacka noch kein Rektor), der
wegen „gesellschaftlicher Unreife“ der Schule in Weissensee verwiesen wurde…
Es folgten unter Womackas Rektorat mindestens 40 weitere Exmatrikulationen wegen fehlender LINIEntreue.

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Blick in die letzte Ausstellung, organisiert von den Erfindern der KUNSTHALLE am Hamburger Platz „G7/Gipfeltreffen“, Juli 2016
Vorn: Leihgabe Inna Vollstädt, Mitte: Arbeit von Emma Adler, Hinten: Video von Margarethe Drexel und Maximilian Bauer

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